Mit einer globalen Nutzerstudie zu wahrgenommener Lichtqualität im Büro, die der österreichische Leuchtenhersteller Zumtobel gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation (IAO), Stuttgart, durchführt, leistet das Unternehmen einen wichtigen Beitrag zur Grundlagenforschung.

Bei der Planung und Realisierung der Beleuchtung im Büroumfeld werden die Nutzerpräferenzen bislang kaum berücksichtigt. Da stehen vor allem Normen und Grenzwerte zu Beleuchtungsstärke, Leuchtdichte, Farbtemperatur und einige ergonomische Kriterien im Fokus. Seit Ende 2013 werden Büromitarbeiter weltweit direkt online befragt. Eine Zwischenauswertung (der Daten für Europa) der noch bis Ende 2014 laufenden Studie liegt nun vor.

Ein Drittel der Befragten bemängelt die falsche Ausrichtung ihres Tisches

Architekten und Lichtplaner, aber auch Facility Manager erhalten mit diesen Ergebnissen von bislang rund 2.150 Teilnehmern eine gesicherte Datengrundlage, um die tatsächlich wahrgenommene Lichtqualität jenseits der gültigen Normen zu erhöhen, denn genau dieses „jenseits der Norm“ macht den Unterschied zwischen richtig und bedürfnisorientiert und wirkt sich nicht zuletzt auch als relevanter Wertschöpfungsfaktor aus. Seit Jahren steht der Mensch zwar im Mittelpunkt diverser Bürokonzepte, bei denen selbstverständlich auch der Beleuchtung des Arbeitsraumes große Bedeutung zukommt, aber dennoch gibt es ein deutliches Gefälle zwischen Ist-Zustand und Nutzerpräferenz.

Es ist nicht so, dass in der Vergangenheit leichtfertig oder „falsch“ geplant wurde, aber die Nutzer bleiben in der Regel anonym, wenn ihre Arbeitsumgebungen realisiert werden. Auch schleichen sich im Laufe der Nutzung Fehler ein, die irgendwann als gegeben gelten, obwohl sie nichts mit der ursprünglichen Planungsabsicht zu tun haben. Man mag es kaum glauben, aber fast ein Drittel der Befragten bemängelt unter anderem die falsche Ausrichtung ihres Tisches zum Fenster. Dieser Mangel ließe sich vergleichsweise schnell und einfach beheben, nur eine umfassende Verbesserung der konkreten Lichtqualität ist damit selten zu erreichen. Qualität ist komplex, im Zusammenhang mit Licht erst recht. Es geht also im Rahmen der Qualitätsbewertung um einen Strauß von Kriterien und um diverse Qualitätsmerkmale, die für das individuelle Wohlbefinden von Bedeutung sind.

Mit zunehmender Bürogrösse wächst die Vorliebe für kaltes Licht

In der Bevorzugung einer bestimmten Farbtemperatur zeigt sich ein weniger eindeutiges Bild. Zwar fühlt sich der größte Teil der Nutzer bei 4.000 – 5.000 Kelvin am wohlsten, aber die Verteilung beginnt bereits bei 3.000 und endet erst bei 7.000 Kelvin. Für eine allgemeine Büronutzung scheinen diese „Ausreißer“ jedoch nicht relevant. Es stellte sich zudem heraus, dass mit zunehmender Bürogröße (Einzelbüro bis offener Großraum) die Vorliebe für kaltes Licht offenbar wächst, aber warmtoniges Licht grundsätzlich als angenehmer empfunden wird. Diesen Bedürfnissen werden ebenfalls LED-Leuchten bestens gerecht, deren Farbtemperatur stufenlos eingestellt werden kann.

Der Bedarf an gutem Kunstlicht ist so groß wie die Notwendigkeit seiner optimalen Abstimmung auf das Tageslicht – allein im Hinblick auf das Energiesparpotenzial beispielsweise einer tageslichtgesteuerten Lichtlösung mit LED-Technik. Vereinfacht kann man sagen: Eine durchweg gute Beurteilung der Beleuchtungsqualität plus ein positives Wohlbefinden wird beispielsweise begünstigt von einer individuell beeinflussbaren, direkt/indirekt strahlenden Stehleuchte mit LED-Bestückung, die zwischen 4.000 und 5.000 Kelvin eine Beleuchtungsstärke von 500 bis über 800 Lux bietet. Denn zukünftige Lichtlösungen fürs Büro müssen sich einfach und zuverlässig an alle möglichen Tätigkeiten bzw. deren Sehanforderungen anpassen lassen.

Was bedeutet das für Architekten und Lichtplaner?

Selbstverständlich sind Normen wichtig und hilfreich, aber sie sind nicht der Weisheit letzter Schluss. Das Wohlbefinden von Mitarbeitern ist schließlich keine Attitude, es wirkt sich vielmehr direkt auf die Leistungsfähigkeit aus, ist somit ein Wirtschaftlichkeitsfaktor. Das Arbeits- und Raumlicht ist dafür nicht allein verantwortlich. Raumbegrenzungsflächen, Möbelausstattung, Luft- und Klimaqualität sind ebenso wichtig, aber dennoch herrscht über allem das Licht. Und in dieser Rolle wirkt eine als „falsch“ empfundene Beleuchtung ganzheitlich negativ; der Nutzer kann sich an diesem Mangel nicht vorbei konzentrieren, wie er das vielleicht bei einer „Nadel im Sitzpolster“ oder einer kurzzeitigen Lärmbelastung schaffen könnte.

Diese Studie gibt Anlass zu der Hoffnung, schon in ein paar Jahren die Bürowelt in ziemlich neuem Licht sehen zu können.