Mathias Hornungs Arbeiten zeugen vom Ringen mit der Materie. Graphitspuren sind ins Papier geritzt, zerfurchte, zerkämpfte Raster in Holz gegraben, Farbe aufgetragen und wieder ausgelöscht – Über­schreibung, Überlagerung, Transformation.

Ob Zeichnung, Holzschnitt, Relief oder Skulptur: Welten werden konstruiert und wieder zersetzt in einem Prozess, in dem der Zufall, das Kontingent seinen festen Platz hat. Im altehr­würdigen Medium des Holzschnitts entstehen so hochaktuelle Bilder der Jetztzeit: sich überlagernde Vernetzungsstrukturen, erodierende (Seelen-) Landschaften und Architekturen, immer an der Grenze zwischen Fläche und Raum.

Wasser lebt und ist immerzu in Bewegung – wir sehen je nach Stärke des Seegangs Berge, Hügel, Täler und ganze Wellen­landschaften. Anders als ihre geographischen Pendants sind diese Wasser­landschaften aber flüchtige Gebilde, nicht wie jene über unvorstellbar lange Zeiträume hin entstanden, sondern vor unserem Auge aufgetürmt, aufgelöst und verwandelt in wenigen Sekunden. Dieser dynamischen, chaotischen Qualität des Elements entgegengesetzt ist das Bedürfnis des homo sapiens, das Flüchtige zu erfassen, es zu fixieren und dingfest zu machen. Das Unermessliche soll vermessen werden – der Mensch will sich der Natur bemächtigen und sie für seine Zwecke nutzen. Dieses Bedürfnis artikuliert sich im Messen, Differenzieren und Einteilen, im Einordnen in recht­winklige Koordinaten­systeme und Gitter­strukturen. Das Bild eines solchen Denkens ist das Raster, das zwar als notwendige Orien­tierung unsere Wahr­nehmung bis hinein in die Sprache struk­turiert, das bekanntlich jedoch auch Starre und Zwang bedeuten kann.

Mathias Hornung setzt mit dem Holz ein natürlich gewachsenes, ursprüng­lich stark wasser­haltiges pflanz­liches Material der künstlerischen Bearbeitung mit technischen Geräten und Maschinen aus. Er steigert diesen materiellen Gegensatz zu einem spannungsreichen Dialog zwischen der dynamisch-chaotischen Wellen­form und einer statischen Rasterstruktur.
Im Dialog zwischen Holz und Stahl kann der Mensch aber auch unterliegen, kann er auch erleben, dass Forderungen der Imagination sich den Gegeben­heiten des natürlichen Stoffs beugen müssen.

Mehr als die reine Natur­betrachtung oder die Reflexion von Daten und Fakten kann ein Kunstwerk wie beispiels­weise Hornungs Relief „Hydro/topo/graphie“ gerade in der Über­lagerung von Chaos/Dynamik und Struktur/Statik die Gegensätze erfahrbar machen, zwischen denen sich der Mensch des Technischen Zeitalters wiederfindet.

Nach seinem Bühnen- und Kostümbild-Studium bei Jürgen Rose in Stuttgart zog Hornung nach Berlin, wo er heute lebt und arbeitet.